Wo vor wenigen Monaten noch senkrechte Stahlwände die Engelberger Aa teilten und schwere Bagger im Flussbett arbeiteten, fliesst der Gebirgsfluss heute wieder ruhig in den Eugenisee. Nichts erinnert mehr an die Baustelle der besonderen Art, die hier das Bild prägte. Der Nutzen der Arbeiten wird hingegen noch über Jahrzehnte wirken: Mit dem neuen Fassungswehr entstand eine zentrale Infrastruktur für Hochwasserschutz, Energieversorgung und Gewässerökologie.
Dank der umfassenden Modernisierung ist die Anlage heute auf ein sogenanntes 300-jähriges Hochwasser ausgelegt. «Wann ein solches Ereignis eintritt, lässt sich nicht vorhersagen», sagt EWO Projektleiter Adrian Omlin. «Die höhere Abflusskapazität schützt die Bevölkerung und die Infrastrukturen nun langfristig bei grossen Wassermassen.»
Mit der Fertigstellung des Fassungswehrs fand auch das Hochwasserschutzprojekt Engelberger Aa seinen Abschluss. Nach dem verheerenden Ereignis von 2005 wurde es etappenweise umgesetzt. «Mit den Arbeiten am Fassungswehr haben wir nun auch die letzte Engstelle beseitigt», so Omlin weiter.
Weil die Engelberger Aa im Winter deutlich weniger Wasser führt als im Sommer, konzentrierte das Projektteam die wichtigsten Arbeiten auf die Wintermonate 2024/2025. Dieses kurze Zeitfenster war entscheidend: Bis Ende April 2025 musste die neue Wehrklappe eingebaut sein, bevor die Schneeschmelze in den warmen Monaten die Wassermengen wieder ansteigen liess. Adrian Omlin: «Die konsequente Einhaltung des eng getakteten Zeitplans war entscheidend. Andernfalls hätte sich der Bauablauf verzögert, und die Stromproduktion wäre erheblich beeinträchtigt worden.» Gleichzeitig stellte der Winter die Verantwortlichen vor besondere Herausforderungen. Minustemperaturen erschwerten die Arbeiten, und überall dort, wo Grundwasser an die Oberfläche trat, gefror es. «Diese Bedingungen mussten wir bereits in der Planung berücksichtigen, damit wir jederzeit rasch reagieren konnten», erklärt Omlin. Dank eines konsequenten Risikomanagements konnte das Team dennoch alle wichtigen Termine einhalten. «Umso mehr freut es mich, dass wir diesen Meilenstein termingerecht erreicht haben.»
Kontrolle über das fliessende Wasser: Für die Arbeit an der neuen Wehrklappe wurde die Engelberger Aa mit Stahlwänden getrennt.
Der Eugenisee ist ein wichtiger Bestandteil der Obwaldner Stromproduktion. Als Tagesspeicher ermöglicht er dem Kraftwerk Obermatt, Strom dann zu produzieren, wenn er gebraucht wird. Das Kraftwerk produziert jährlich rund 140 Gigawattstunden Strom – genug für den Jahresverbrauch von rund 31 000 Schweizer Haushalten.
Damit der Kraftwerksbetrieb zuverlässig funktioniert, halten eine neue hydraulische Wehrklappe, ein Entsander sowie automatisierte Rechenanlagen Sedimente, Laub und Treibgut von den Turbinen fern. Davon profitieren sowohl die Natur als auch der Betrieb: Kies, Sand und weitere Sedimente bleiben als wichtige Bestandteile im Flussraum enthalten und bilden weiter flussabwärts wertvolle Laichplätze für Fische. Gleichzeitig erhöhen die Automatisierungen die Betriebssicherheit und erleichtern dem EWO, das die Anlage im Auftrag der Obermatt Kraftwerke AG betreibt und wartet, die Arbeit. So müssen die Mitarbeitenden die Rechen nach Gewittern dank der neuen Rechenreinigungsanlage nicht mehr von Hand von Treibgut befreien. Das EWO beobachtet die Anlage in den kommenden Jahren weiter und optimiert bei Bedarf. «Stand heute sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden», sagt Adrian Omlin.
Adrian Omlin, EWO Projektleiter
Artikel fachlich geprüft von
Adrian Omlin, Projektleiter Infrastruktur Produktion,
am 18. September 2026
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