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Wasserkraftort

Energieerzeugung
Seit diesem Sommer ist das EWO für den Betrieb der Kraftwerke Obermatt und Arni im Engelbergertal zuständig. Dies im Auftrag der neuen Obermatt Kraftwerke AG (OKW AG), die der Kanton Obwalden mit der vorherigen Betreiberin Energie Wasser Luzern (ewl) gegründet hat. Stefan Illi, Leiter Instandhaltung, erklärt, worauf es bei der Wasserstromproduktion ankommt.
24. November 2022
Text Luk von Bergen // Fotos Samuel Büttler Photographie
24/11/2022 // 12 Minuten Lesezeit

Im Einsatz für die Wasserkraft

Das EWO ist neu für den Betrieb des Kraftwerks Obermatt verantwortlich. Dank einem eingespielten Team liefert es wertvollen erneuerbaren Strom.

Produktionsprozess jederzeit im Griff

Grosse Maschinen haben mich schon immer fasziniert», sagt Stefan Illi. «Den ganzen Produktionsprozess hier jederzeit im Griff zu haben, ist herausfordernd und spannend zugleich.» Der Leiter Instandhaltung ist gelernter Feinmechaniker und studierter Maschinenbauer. Er arbeitet bereits seit bald neun Jahren im Kraftwerk – vormals als Angestellter von ewl, seit diesem Sommer fürs EWO, das als Dienstleister für die OKW AG im Einsatz steht. «Das Mechanische ist das eine, entscheidend sind aber auch Erfahrung und Fingerspitzengefühl.» Illi und seine zwei Mitarbeitenden kennen das über hundert Jahre alte Kraftwerk wie ihre Westentaschen. «Einer ist Elektriker, der andere Mechaniker – wir ergänzen uns perfekt», sagt der Teamleiter. «Unsere Kernaufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Maschinen reibungslos funktionieren.» Dies in den Werken Obermatt und Arni sowie einer weiteren, kleineren Produktionsstätte. Zudem gehört die Instandhaltung der Wasserzufuhr zum Pflichtenheft der Belegschaft.

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Stefan Illi, Leiter Instandhaltung im Maschinenraum des Kraftwerks Obermatt.

Vom Eugenisee in die Steckdose

Das Wasser für den Betrieb der Anlagen wird in diversen Wasserfassungen oberhalb und um Engelberg gesammelt. Es stammt aus mehreren Zuflüssen wie der Engelberger Aa, dem Trübsee oder dem Erlenbach. «Das Herzstück unserer Produktion bildet der Eugenisee mit einem Fassungsvermögen von rund 150 000 m3», sagt Stefan Illi. Der Abfluss des Sees lässt sich aus der Ferne regulieren, je nach Kapazität und Bedarf wird der Stromproduktion mal mehr, mal weniger Wasser zugeführt. Im Falle des Standorts Obermatt gelangt das Wasser vom Eugenisee erst ins Wasserschloss «Loch» oberhalb des Kraftwerks und von dort über mehrere Druckrohre hunderte Meter steil runter zur Stromproduktion. «Wir verfügen hier über drei von Wasserturbinen angetriebene Maschinengruppen. Zu Spitzenzeiten erzeugen alle drei Generatoren zusammen bis zu 820 000 kWh elektrische Energie pro Tag.» Sämtliche Anlagen der OKW AG speisen jährlich zirka 140 Mio. kWh elektrische Energie ins Netz, was theoretisch etwa der Hälfte des Obwaldner Jahresbedarfs entspricht. Aber: «Rund 80 Prozent der Produktion finden zwischen Frühling und Herbst statt, wenn das Schmelzwasser vom Titlisgebiet in den Eugenisee fliesst.» Einen grossen Teil dieses Stroms verkauft das EWO im Namen der OKW AG auf dem Strommarkt.

«Zu Spitzenzeiten erzeugen alle drei Generatoren zusammen bis zu 820 000 kWh elektrische Energie pro Tag.»
Stefan Illi, Leiter Instandhaltung

Anschluss an die EWO Werke

John Sieber leitet beim EWO das Geschäftsfeld Produktion und verantwortet bei der OKW AG die technische Betriebsführung. «Die Kraftwerke waren bei der Übernahme im Juli in einem guten Zustand», sagt er. «Das Team um Stefan Illi hat bisher einen super Job gemacht und kennt die Anlagen sehr gut, was eine wichtige Voraussetzung für einen weiteren reibungslosen Betrieb ist.» In den letzten Monaten ging es darum, Obermatt und Arni ins bestehende Leitsystem des EWO zu integrieren. «Dazu haben wir vor der Betriebsübernahme die bestehende Kraftwerkssteuerung in Obermatt erneuert und für die Anbindung an das Leitsystem des EWO ertüchtigt», sagt Sieber. «Nun können wir die Anlagen jederzeit vom EWO in Sachseln aus überwachen und steuern, wie viel Energie sie produzieren sollen.» Dieser Integrationsprozess ist technisch gesehen nicht allzu aufwendig, allerdings erforderte er eine gute Planung und eine intensive Testphase, die inzwischen erfolgreich abgeschlossen ist. Nun geht es darum, das Kraftwerk weiter zu automatisieren, da die Leitstelle gegenüber dem Betrieb durch ewl beim EWO nicht mehr permanent besetzt ist. Ausserdem werden die Prozesse zur Instandhaltung vereinheitlicht, um Synergien innerhalb des gesamten Geschäftsfelds Produktion nutzen zu können. John Sieber: «Das EWO hat diesbezüglich hohe Standards, die wir nun auch in Obermatt und Arni implementieren wollen.»

«Das Team um Stefan Illi hat bisher einen super Job gemacht und kennt die Anlagen sehr gut.»
John Sieber, Leiter Geschäftsfeld Produktion
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Die Produktionsanlagen sind ins Leitsystem des EWO integriert und lassen sich auch von ausserhalb steuern.

Im Winter ist Zeit für Revisionen

Von der Integration ins Leitsystem des EWO profitiert auch das Kraftwerksteam um Stefan Illi. Nämlich dann, wenn es zu Störungen kommt. «Gibt’s einen Systemfehler, kann man das neu von zu Hause aus fixen», sagt Illi. Fernwartung aus dem Homeoffice. Hat der Alarm aber andere, physische Gründe, rückt der Pikettdienst aus, egal, wie spät es ist. Viele Störungen betreffen die Wasserfassungen und Abflüsse, zum Beispiel beim Eugenisee, wenn der Rechen mit Schwemmholz, Laub und Dreck verschmutzt ist. «Aufs Jahr gesehen rücken wir aufgrund solcher Störungen vielleicht vierzig- oder fünfzigmal aus», sagt Illi. «Die Produktionsanlagen hingegen bereiten uns kaum Probleme.» Jetzt im Winter führen die Zuflüsse nur noch wenig Wasser, deshalb sind diverse Revisionen der Maschinengruppen angesagt. Da das alte Gebäude nicht beheizt ist, finden diese Arbeiten teilweise bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt statt – Eisblumen an den Fenstern und kalte Hände inklusive. «Auch wenn’s nicht immer angenehm ist, das gehört nun mal zu unseren Aufgaben», sagt Stefan Illi. «Aber wir erledigen unsere Arbeit stets mit viel Spass und Herzblut, da nimmt man so einiges in Kauf.»

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Da im Winter nur wenig Wasser ins Tal fliesst, stehen die Maschinengruppen praktisch still.

Die Obermatt Kraftwerke AG

Gemäss Wasserrechtsverleihung aus den 1960er-Jahren war die heutige Energie Wasser Luzern (ewl) in den letzten rund sechzig Jahren befugt, die Wasserkräfte der Engelberger Aa auf der Gefällstufe Engelberg – Obermatt sowie des Arni- und Trübbachs zu nutzen. Diese Konzession läuft bis ins Jahr 2041, wobei der Kanton Obwalden per 2022 von einem vorzeitigen Rückkaufsrecht der Anlagen profitieren konnte. Die beiden Parteien haben sich allerdings darauf geeinigt, die Konzession auf die neu gegründete Obermatt Kraftwerke AG zu übertragen, an der Obwalden mit 60 Prozent, ewl mit 40 Prozent beteiligt ist. Die Aufgabe des EWO als Dienstleister beinhaltet die Geschäftsund Betriebsführung sowie die Energiebewirtschaftung der Werke. Mit dem Ablauf der Konzession am 31. Dezember 2041 tritt das sogenannte Heimfallrecht in Kraft, und ein Grossteil der Anlagenteile geht mehr oder weniger unentgeltlich in den Besitz des verleihenden Kantons Obwalden über.

«Damit stärken wir unsere Position als Kraftwerksbetreiber»

Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung EWO und Geschäftsführer der OKW AG

Herr Baumgartner, welche Rolle spielte das EWO bei der Gründung der Obermatt Kraftwerke AG?
Die schrittweise Rücknahme der beiden Kraftwerke Obermatt und Arni war seit Jahren auf der Traktandenliste des Kantons Obwalden. Wir standen diesbezüglich immer wieder im Austausch mit dem Kanton und haben als EWO eine beratende Funktion eingenommen. Dabei ging es beispielsweise darum, die verschiedenen Varianten einer Übernahme oder einer Beteiligung auszuloten.

Was bedeutet diese neue Konstellation nun fürs EWO?
Es handelt sich dabei um einen grossen und wichtigen Kundenauftrag fürs EWO. Unser Ziel ist es selbstverständlich, diese Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers zu erfüllen. Gleichzeitig können wir unsere Position als Kraftwerksbetreiber in der Zentralschweiz weiter stärken.

Obwalden ist mit den neuen Kraftwerken in der Lage, jährlich weitere rund 140 Mio. kWh elektrische Energie bereitzustellen. Trägt dies nun zu stabileren Strompreisen im Versorgungsgebiet bei?
Nein, denn gegenüber der alten Situation hat sich für uns als EWO nichts verändert. Gemäss Konzessionsvertrag können wir wie bisher rund 30 Mio. kWh elektrische Energie beziehen. Die restlichen rund 110 Mio. kWh verkaufen wir im Auftrag der OKW AG komplett am freien Strommarkt.

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