Das Risiko einer Strommangellage ist in aller Munde. Geopolitische Situationen, Trockenheit und Ausfälle von Atomkraftwerken verstärken die Verknappung auf den Energiemärkten. Spitzt sich die Lage zu, kann in den Wintermonaten eine Strommangellage eintreten.
Was ist eine Strommangellage?
Eine Strommangellage ist kein kurzfristiges Ereignis und wird länger andauern. Dabei sind Stromangebot und Stromnachfrage während mehreren Tagen, Wochen oder sogar Monaten nicht mehr im Einklang. Sie zeichnet sich im Voraus ab durch die Verknappung der Energiemärkte. Diese ist beeinflusst von der geopolitischen Situation. Beispielsweise hat der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zur Verknappung von Gas und zu steigenden Gaspreisen geführt. Ein weiterer Faktor war das fehlende Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU, was dazu geführt hat, dass die Schweiz nicht gleichberechtigt am europäischen Stromhandel teilnehmen konnte.
Was Sie über die Strommangellage wissen müssen
Geht uns bald der Strom aus? Diese Frage ist nicht einfach mit einem Ja oder einem Nein zu beantworten. Klar ist aber: Wir müssen uns darauf vorbereiten. Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen rund um die Strommangellage.
Bei einem Blackout handelt es sich um ein kurzfristiges Ungleichgewicht zwischen Stromverbrauch und Stromerzeugung, das zu einem flächendeckenden Stromausfall führt. Solche Stromausfälle entstehen unmittelbar, beispielsweise wenn grosse Übertragungsleitungen beschädigt werden oder Kraftwerksparks plötzlich ausfallen. Eine Strommangellage kann hingegen länger andauern und zeichnet sich im Voraus durch eine Verknappung des Angebots an den Energiemärkten ab. Diese ist beeinflusst von der geopolitischen Situation.
Anders als beim Blackout bleibt bei einer Strommangellage das Netz vollständig in Betrieb. Jedoch kann die zur Verfügung stehende Energiemenge den vollen Verbrauchsbedarf nicht mehr abdecken. Dieses Szenario droht vor allem im Winter, da dann der grösste Verbrauch ansteht und gleichzeitig nur wenig Strom aus Laufwasserkraftwerken und Photovoltaikanlagen zur Verfügung steht. Technologien zur Langzeitspeicherung von Strom wären eine Lösung, sind heute jedoch noch nicht oder nicht in genügender Kapazität vorhanden.
Grundsätzlich trägt ein effizienter, sparsamer Umgang mit Strom dazu bei, eine Mangellage abzuschwächen oder zu verhindern. Das gilt sowohl für Privatpersonen wie auch für Firmen. Zudem hilft es, wenn möglichst viele Private und Firmen ihren eigenen Strom produzieren – über das ganze Jahr. Denn mit eigenem Solar- oder Windstrom schonen Sie die Wasserkraft. So entleeren sich die Stauseen im Winter langsamer.
Als öffentlich-rechtliches Unternehmen ist es unser gesetzlicher Auftrag, die sichere Stromversorgung des Kantons zu gewährleisten – einerseits mit unseren Produktionsanlagen, andererseits indem wir Strom zukaufen. Eine sich abzeichnende Strommangellage ist jedoch eine internationale Herausforderung. Bei einer Strommangellage verordnet deshalb der Bund Massnahmen, und die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL) wird aktiv. Diese setzt die verordneten Massnahmen um.
Hier ist zu unterscheiden zwischen Massnahmen zur Angebotslenkung und zur Verbrauchslenkung. Auf Seiten der Verbrauchslenkung kommt ein vierstufiger Plan zum Einsatz (siehe Illustration). Die Massnahmen der vierten Stufe, zyklische Abschaltungen, werden dabei nur im äussersten Notfall verordnet. Auf Seiten der Angebotslenkung überträgt der Bund die Kraftwerksbewirtschaftung an die nationale Netzgesellschaft Swissgrid, verordnet die Aussetzung des Stromhandels und verfügt Exporteinschränkungen.
Das Risiko einer Strommangellage
Das Erklärvideo des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) gibt Ihnen Auskunft zum Risiko einer Strommangellage und zeigt auf, welche Massnahmen getroffen werden.
Massnahmen in einer Strommangellage
Wenn eine Strommangellage eintritt, ist das Ziel die Stromversorgung auf einem niedrigen Niveau zu halten. Um dies zu ermöglichen, hat der Bundesrat verschiedene Massnahmen definiert. Die nachfolgende Grafik zeigt auf, welche Massnahmen in welcher Reihenfolge angedacht sind.
Quelle: VSE
Sparappell
Der Bundesrat ruft die Bevölkerung und die Wirtschaft auf, Strom zu sparen.
Verbrauchseinschränkungen
Der Bundesrat beschliesst, dass energieintensive und nicht lebensnotwendige Anwendungen nur noch eingeschränkt verwendet werden dürfen, wie z.B. Verbot für Betrieb von Saunen, Leuchtreklamen usw.
Kontingentierung
Grossverbraucher werden verpflichtet ihren Stromverbrauch zu reduzieren.
Stromabschaltung
Rollierend werden jeweils einzelne Teilgebiete für vier Stunden vom Stromnetz genommen.
Wie können Sie Energie sparen?
Die Energie wird knapp – auch in der Schweiz. Deshalb ruft der Bundesrat zum Stromsparen auf. Jeder von uns kann mit einfachen Massnahmen im Alltag Strom sparen. Folgend die fünf Top-Spartipps des Bundes:
Tipp 1 – Duschen statt Baden Sparen Sie viel Warmwasser, indem Sie nur kurz und nicht zu heiss duschen. Eine Wassertemperatur um 37°C ist für den Körper und fürs Energiesparen ideal.
Tipp 2 – Heizung runterdrehen Die Raumtemperatur sollte nie mehr als 20 °C betragen. Reduzieren Sie die Temperatur um 1 °C und sparen Sie bis zu 10 Prozent Heizenergie.
Tipp 3 – Licht löschen
Brennendes Licht in einem leeren Raum verpufft unnötig Energie. Schalten Sie es aus, wenn Sie den Raum verlassen.
Tipp 4 – Kochen mit Deckel
Beim Kochen verdampft ein Grossteil der Energie. Setzen Sie immer einen Deckel auf den Topf, der die Energie zurückhält. So wird übrigens auch das Essen schneller gar.
Tipp 5 – Geräte richtig abschalten Computer, TV-Geräte und Kaffeemaschinen verbrauchen auch im Stand-by- und Schlafmodus Energie. Schalten Sie diese Geräte daher immer ganz aus.
Weitere Energiespartipps
finden Sie im Blogbereich EWO Pur unter dem Filter «Strom sparen».
Interview zur Strommangellage
Daniel Zberg, Leiter Geschäftsfeld Netz, verrät im Interview, was eine mögliche Strommangellage für die EWO Kundinnen und Kunden bedeutet, welche Vorkehrungen getroffen werden und wie er persönlich damit umgeht.
Weitere Empfehlungen und Informationen zur aktuellen Energielage in der Schweiz finden Sie unter folgenden Links:
OSTRAL
Die OSTRAL ist die Organisation für die Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen. Sie wird aktiv beim Eintreten einer Strommangellage auf Anweisung der Wirtschaftlichen Landesversorgung. Die OSTRAL ist organisiert als Kommission des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und besteht aus Vertretern von Energieversorgungsunternehmen. Ihre Aufgabe ist es, die vom Bund verordneten Massnahmen umzusetzen.
Energiesparkampagne des Bundes
Mit der Kampagne «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht.» zeigt der Bund, wie mit einfachen Tipps Energie gespart werden kann.