EWOPUR-Elektrolastwagen-2250x1250

Elektro-Kehrichtlastwagen in Obwalden: Saubere Abfuhr

Elektromobilität
Seit Anfang 2020 sammeln zwei Elektro-Kehrichtlastwagen den Abfall im Kanton Obwalden ein. Sie fahren ohne lokale Abgasemissionen, verursachen weniger Lärm und sparen jährlich rund 60'000 Liter Diesel. Den Strom für die elektrische Kehrichtabfuhr liefert das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) mit lokal produziertem EWO NaturStrom. Doch bis zur Umstellung war es ein langer Weg.
27. Mai 2020
Text Tamara Tiefenauer / Fotos Samuel Büttler
27/05/2020 // 8 Minuten Lesezeit

Wie die elektrische Kehrichtabfuhr in Obwalden begann

Für uns steht fest: Wir müssen wann und wo immer möglich etwas für die Umwelt tun.» Das sagt Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbands Obwalden (EZV). Bereits 2012 begann die Geschichte für eine ökologischere Kehrichtabfuhr: Der Verband stellte verschiedene Varianten zusammen und wertete diese aus. An einer Ausstellung im Jahr 2016 sah Sepp Amgarten dann erstmals den Prototyp eines Elektrokehrichtlastwagens – und war begeistert: «Mir war sofort klar, dass dieser für die Kehrichtsammlung in Obwalden interessant ist.» Zusammen mit Präsident Cornel Waldvogel und Vizepräsident Heini Gosteli setzte sich Sepp Amgarten eingehend mit dieser Technik auseinander. Stolperstein ihres Vorhabens waren die Kosten: Ein Elektrolastwagen kostet in der Anschaffung zwar knapp dreimal mehr als ein vergleichbares Dieselfahrzeug – ist jedoch über die gesamte Lebensdauer betrachtet günstiger.

«Für uns steht fest: Wir müssen wann und wo immer möglich etwas für die Umwelt tun.»
Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbands Obwalden (EZV)

Über Umwege zum Ziel

Die hohen Investitionskosten wollte der EZV keinem Unternehmen zumuten. Der Verband plante deshalb zunächst, die Elektrofahrzeuge aus eigener Tasche zu berappen und diese einem Transportunternehmen zur Verfügung zu stellen. Nach der öffentlichen Ausschreibung und der anschliessenden Zuschlagsverfügung reichte ein Mitbewerber eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Diese wurde gutgeheissen. Die Geschäftsleitung des Entsorgungszweckverbands wollte den Verwaltungsgerichtsentscheid eigentlich ans Bundesgericht weiterziehen. Aber: «Wir hatten keine Zeit zu warten, bis ein Urteil gefällt würde», sagt der Verbandspräsident Cornel Waldvogel. Denn das könnte Jahre dauern, und die beiden Dieselfahrzeuge waren alt, machten zunehmend Probleme und mussten möglichst bald ausgewechselt werden. Deshalb schrieben wir den Auftrag erneut aus, dieses Mal inklusive der Sammelfahrzeuge. Den Zuschlag erhalten sollte, wer uns das ökologischste Angebot unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aspekte machte.» Und das war die Zimmermann Umweltlogistik AG, welche die Kehrichtsammlung mit den beiden elektrischen Lastwagen offerierte.

Zwei Arbeiter stehen hinten auf dem strombetriebenen LKW des Entsorgungszweckverbands Obwalden.

Weder Fahrlärm noch Abgase oder Gestank stören die Kehrichtsammler nun auf ihrer Tour.

Weniger Diesel, Lärm und Abgase

Seit Anfang 2020 wird der Abfall in Obwalden nun mit den Elektrolastwagen eingesammelt. Und es zeigt sich: Die Fahrzeuge passen perfekt zur Kehrichtabfuhr. Erstens ermöglicht der elektrische Antrieb sanfteres Beschleunigen und Abbremsen. Das spart Energie und reduziert den Fahrlärm. Zweitens sind die Belader keinen Abgasen ausgesetzt. Und schliesslich hat sich sogar der teils strenge Abfallgeruch reduziert. Denn während beim Dieselfahrzeug ein längerer Halt nötig war, um den Abfall im Innern zu pressen, ist dies beim Elektrolastwagen auch während der Fahrt möglich. Und drittens profitiert die Umwelt: Mit den zwei neuen Lastwagen spart das Unternehmen jährlich 60 000 Liter Diesel. Als Treibstoff dient ausschliesslich lokal produzierter «EWO NaturStrom» aus nachhaltiger Quelle. Die Reichweite ist kein Problem. Reto Zimmermann, CEO der Zimmermann Umweltlogistik AG, meint dazu: «Wir können mit einer Ladung das gesamte Gebiet bis hoch zur Melchsee-Frutt abdecken.» Bei der Fahrt bergab lädt sich der Akku gleich selbst auf: Elektrofahrzeuge gewinnen mit der Bremsenergie Strom zurück.

«Wir können mit einer Ladung das gesamte Gebiet bis hoch zur Melchsee-Frutt abdecken.»
Reto Zimmermann, CEO der Zimmermann Umweltlogistik AG
Elektro-Kehrichtlastwagen beim Laden von EWO NaturStrom an einer Ladestation.

Die Elektrofahrzeuge werden regelmässig mit «EWO NaturStrom» geladen.

Elektro-Kehrichtlastwagen als Investition in die Zukunft

Die Elektrolastwagen waren zwar in der Anschaffung teurer, sind aber nun im Unterhalt preiswerter als ein Dieselfahrzeug. Denn Strom ist günstiger als Diesel und der elektrische Antrieb wartungsfrei im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor. Zudem sind Elektrofahrzeuge von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) befreit. «Und wenn die technische Lebensdauer des Fahrzeugs erreicht ist, landen die Akkus nicht direkt auf dem Elektroschrott», sagt Sepp Amgarten. Denkbar ist, laut Hersteller, beispielsweise eine Weiterverwendung im privaten oder gewerblichen Bereich, etwa für das Speichern von Solar- oder Windenergie.

Cornel Waldvogel, Reto Zimmermann, Heini Gosteli und Sepp Amgarten, die Verantwortlichen des Elektro-Kehrichtlastwagen-Projekts in Obwalden.

Sie sind massgeblich am Projekt beteiligt: Cornel Waldvogel, Reto Zimmermann, Heini Gosteli und Sepp Amgarten (von links nach rechts).

Weitere Massnahmen für eine nachhaltige Entsorgung

Beim Einsatz von Elektrolastwagen bleibt es aber nicht, denn es sind bereits weitere Massnahmen für mehr Nachhaltigkeit geplant. So müssen seit 2020 alle beauftragten Transportunternehmen dem Verband die gefahrenen Kilometer und den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch rapportieren. Verbandsvizepräsident Heini Gosteli erklärt dazu: «Wir kompensieren den CO2-Ausstoss dann mit Zahlungen an die Stiftung myclimate.» Und auch in anderen Geschäftsbereichen wie der Abwasserentsorgung achtet der EZV auf Nachhaltigkeit. Die 2019 abgeschossene Erweiterung der ARA Sarneraatal fertiggestellt. Dort ist für die biologische Reinigungsstufe ein Verfahren in Betrieb, das erstmals in der Schweiz verwendet wird. Dieser neue Reinigungsprozess läuft schneller ab, benötigt weniger Chemie und spart Energie.

Artikel fachlich geprüft von
Lukas von Moos, Leiter Geschäftsfeld Energie,
am 27. Mai 2020

Elektromobilität für zu Hause

Möchten auch Sie auf Elektromobilität umsteigen? Oder fahren Sie bereits ein Elektroauto und sind noch auf der Suche nach einer geeigneten Ladelösung? Die EWO Gebäudetechnik AG bietet Ihnen verschiedene Lösungen an – für Ein- oder Mehrfamilienhäuser.

Ein Elektroauto wird mit EWO NaturStrom geladen.

Richtig entsorgt

Der Entsorgungszweckverband entsorgt im Kanton Obwalden den Haushalt- und Gewerbekehricht. Zudem ist er für die ökologische Aufbereitung der Abwässer im Sarneraatal zuständig.

Weitere EWO Pur Beiträge

Auf dem Bild sieht man das herbstliche Bergpanorama der Sachlser Berge von der Sicht aus Stalden in Obwalden.

Warm und smart durch den Herbst: 4 Einfache Energiespartipps

Energieberatung Wenn es draussen wieder kühler wird, steigen zu Hause die Energieverluste oft unbemerkt. Mit vier einfachen Energiespartipps machen Sie Ihr Zuhause fit für den Herbst, reduzieren Energieverluste und schonen Ihr Portemonnaie.

6. Oktober 2026
Mehr erfahren
Ein Mitarbeiter des Elektrizitätswerks Obwalden bei der Vermessung von Rohranlagen und Leitungen.

Planauskunft: Warum Sie vor dem Graben nachfragen sollten

Netzdienstleistung Wer gräbt, sollte wissen, was unter der Erde liegt. Dort verlaufen zahlreiche Werkleitungen, deren Beschädigung schnell teuer oder gefährlich werden kann. Eine Planauskunft hilft Bauherrschaften, Planungsbüros und Privatpersonen, die Bauarbeiten sicher zu planen.

1. Oktober 2026
Mehr erfahren
Der Energieberater und der Geschäftsführer der Metzgerei Stutzer & Flüeler besprechen gemeinsam, wie die Energieeffizienz des Gewerbes gesteigert werden kann.

Energieberatung zeigt Sparpotenziale in der Metzgerei auf

Energieberatung Energiefresser verstecken sich in vielen Betrieben dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Eine Energieberatung hilft Unternehmen dabei, ihren Energieverbrauch zu analysieren und konkrete Sparpotenziale zu erkennen.

29. September 2026
Mehr erfahren

Sie haben energiereiche Fragen? Unser EnergieKompass hilft Ihnen gerne weiter.