Bartgeier wird im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts auf der Tannalp in Obwalden ausgewildert.

Bartgeier kehren nach Obwalden zurück

Bartgeier Ewolina
100 Jahre nach ihrer Ausrottung kehren die Bartgeier in die Zentralschweizer Alpen zurück. Dank eines Wiederansiedlungsprojekts im Jagdbanngebiet Huetstock bei der Tannalp werden die beeindruckenden Greifvögel wieder heimisch. Das Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) unterstützt das Projekt mit einer Namenspatenschaft und leistet damit einen Beitrag zum Arten- und Naturschutz in der Region.
26. April 2020
Text Patrick Steinemann
26/04/2020 // 6 Minuten Lesezeit

Wie Vorurteile den Bartgeier aus den Alpen verschwinden liessen

Feuerrote Augen, ein messerscharfer Schnabel und fast drei Meter Flügelspannweite: Der Bartgeier imponiert seit jeher. Er schreckt aber auch ab: Seit dem Mittelalter wird der Aas fressende Geier mit dem Teufel gleichgesetzt. Bartgeier, die zu den grössten flugfähigen Vögeln der Welt zählen, galten lange Zeit als gefährliche Beutegreifer. Der Ruf der Tiere war denkbar schlecht: Sie wurden bezichtigt, Lämmer oder gar kleine Kinder wegzutragen. Also wurden die Gewehre geladen und abgefeuert – 1913 war der letzte Bartgeier aus den Alpen verschwunden.

Junger Bartgeier wird im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts auf der Tannalp ausgewildert

Mit seiner Flügelspannweite von bis zu drei Metern ist der Bartgeier der grösste einheimische Vogel.

Wie ernähren sich Bartgeier?

100 Jahre später hat sich das Bild gewandelt: Der Grossvogel ist als hochspezialisierter Aasfresser und faszinierender Bergbewohner rehabilitiert. Und das in den 1970er Jahren gestartete internationale Zuchtprogramm hat sich als erfolgreich erwiesen – 1986 konnten die ersten Bartgeier ausgewildert werden. Seither wurden über 200 Tiere im Alpenraum wiederangesiedelt. Die effizienten Segler, die über der Waldgrenze nach Nahrung suchen, haben von Neuem eine Nische gefunden. Nicht zuletzt dank ihrer speziellen Nahrung: 70 – 90 Prozent davon bestehen aus Knochen. Verdauen können sie diese nur durch besonders saure Magensäfte; die Bartgeier verwerten so effizient die in den Knochen eingeschlossenen Nährstoffe. Die Vögel können auch lange Knochen im Rachen haben, ohne zu ersticken. Und ist ein Stück wirklich mal zu gross, lassen sie die Knochen mit gezielten Abwürfen über Felsplatten zersplittern.

Können Bartgeier nach 100 Jahren wirklich zurückkehren?

Die Antwort fliegt heute über Obwalden: Dank gezielter Auswilderungen finden die majestätischen Alpenvögel Schritt für Schritt zurück in ihren ursprünglichen Lebensraum.

Drei Bartgeier starten auf der Tannalp in die Freiheit

Im Sommer 2015 konnten die Obwaldnerinnen und Obwaldner den Bartgeier und sein Spiel des «Knochenbrechens» aus nächster Nähe beobachten: Drei Jungtiere wurden im Eidgenössischen Jagdbanngebiet Huetstock oberhalb der Tannalp ausgewildert. Verantwortlich für das Projekt ist die Stiftung Pro Bartgeier. Sie arbeitet dabei eng zusammen mit dem kantonalen Amt für Wald und Landschaft.

Drei ausgewilderte Jungtiere im Eidgenössischen Jagdbanngebiet Huetstock oberhalb der Tannalp

Die Bartgeier in der Auswilderungs-Nische hoch über der Tannalp.

Gemeinsam für die Rückkehr der Bartgeier

Unterstützung leistet zudem ein regionales Patronatskomitee. Darin sind Vertreter der Grundeigentümer, der Alpwirtschaft, des Tourismus, des Kantons, der politischen Gemeinde, des Naturschutzes und der Jagd. Aber auch das Elektrizitätswerk Obwalden ist mit seinem Verwaltungsratspräsidenten Walter Ettlin dabei: «Ich bin stolz, dass das EWO diese Auswilderung unterstützt. Es ist schön, solch prächtigen Vögeln wieder einen Lebensraum in Obwalden bieten zu können.» Das EWO hat die Namenspatenschaft für einen der drei Jungvögel übernommen und bezog seine Kunden über einen Wettbewerb in die Namensgebung mit ein.

«Es ist schön, solch prächtigen Vögeln wieder einen Lebensraum in Obwalden bieten zu können.»
Walter Ettlin, Verwaltungsratspräsident

Eine Zukunft für die Bartgeier in den Alpen

Die Auswilderungen am Fusse des Graustocks werden in den kommenden Jahren fortgesetzt, jährlich sollen zwei bis drei Jungtiere dazukommen. Ziel dieser Bemühungen ist es, im Alpenraum einen vitalen, sich selbst erhaltenden Bestand an Bartgeiern zu haben. Damit die Tiere die Menschen wieder beeindrucken, ohne zu bedrohen.

Fakten zum Bartgeier

  • 3 Meter kann die Flügelspannweite eines Bartgeiers betragen
  • 7 Kilogramm schwer kann ein ausgewachsenes Exemplar werden
  • 30 Jahre dauert das Auswilderungsprojekt für Bartgeier in den Alpen schon
  • 40 Jahre alt kann ein Bartgeier werden
  • 200 junge Bartgeier wurden seit dem Start des Projektes ausgewildert
  • 100 Bartgeier wurden seit 1997 in der freien Natur geboren

Unter bartgeier.ch finden Sie mehr Informationen über den Bartgeier.

Artikel fachlich geprüft von
Thomas Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung,
am 26. April 2020

Engagement

Das EWO engagiert sich für den Bartgeier

Mit einer Namenspatenschaft unterstützt das EWO die Wiederansiedlung der Bartgeier.

Ein Bartgeier fliegt über Tannalp

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