Fast neunzig Jahre hat das Stromnetz in Giswil auf dem Buckel, und auch die Holzmasten wären bald im Pensionsalter, wenn es sich um Menschen handeln würde. Dank punktuellen Unterhaltsarbeiten hat das lokale Mittel- und Niederspannungsnetz über viele Jahrzehnte zuverlässig seinen Dienst geleistet. Zudem hat es dafür gesorgt, dass der Strom unterbruchsfrei zu den Giswilerinnen und Giswilern gelangt. Doch die Zeiten haben sich geändert. War Photovoltaik zur Zeit, als das Netz gebaut wurde, kein Thema, statten heute immer mehr Gebäudebesitzerinnen und -besitzer ihre Dächer mit Solaranlagen aus. Diese erfreuliche Entwicklung hat allerdings zur Folge, dass die Netzinfrastruktur in Giswil den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. Dies war auch einer der Gründe, warum das EWO die Erneuerung der Netzleitungen Chilchweg und Spichersmatt in Angriff genommen hat.
Alte und neue Trafos mussten parallel laufen
«Um ein solches Projekt zu planen und umzusetzen, müssen alle am selben Strang ziehen», sagt Thomas Gasser, Leiter Netzbau – und zwar sowohl das EWO intern, wo verschiedene Teams zusammenarbeiteten, als auch ausserhalb des Unternehmens. Schliesslich verlaufen die Leitungen über verschiedenste Grundstücke. So waren rund 40 Verträge mit den unterschiedlichen Parzelleneigentümerinnen und -eigentümern nötig. «Das gehört bei solchen Projekten dazu», erklärt Thomas Gasser. «Umso mehr freut es mich, wie verständnisvoll und unkompliziert die Menschen immer wieder auf unsere Anliegen reagieren – das war auch beim Projekt in Giswil nicht anders.» Auf technischer Planungsebene war vor allem der Ersatz zweier Mast-Trafostationen durch Gebäude-Trafostationen eine knifflige Herausforderung. «Um die durchgehende Stromversorgung aller Kundinnen und Kunden sicherzustellen, mussten wir die alten und die neuen Trafos parallel in Betrieb halten», so Thomas Gasser. Zu diesem Zweck hat das Projektteam ein provisorisches Einspeisesystem eingerichtet, um während des Umbaus die Unterbrüche der Stromversorgung so kurz wie möglich zu halten.
2 Kilometer Graben, 5 Kilometer Kabel
Während das alte Stromnetz in Giswil mehrheitlich aus Freileitungen bestand, verlaufen die neuen Leitungen unterirdisch. Das schont nicht nur das Landschaftsbild, sondern ist auch effizienter im Unterhalt. Denn unterirdische Kabel sind deutlich weniger wartungsbedürftig als Freileitungen. «Wir haben insgesamt über zwei Kilometer Graben ausgehoben und knapp fünf Kilometer Kabel verlegt», gibt Thomas Gasser einen Einblick in die Dimension des Projekts. Und wie üblich bei solchen Arbeiten ging es zum Schluss ans Aufräumen. Was in diesem konkreten Fall den Rückbau des alten Stromnetzes bedeutete. Auch diese nicht zu unterschätzende Arbeit nahm einige Wochen in Anspruch. Doch nun steht die neue Netzinfrastruktur in Giswil. Dank den verschwundenen Leitungsmasten hat Giswil nicht nur eine optische Aufwertung erhalten, sondern profitiert mit der modernen neuen Netzinfrastruktur auch von noch mehr Versorgungssicherheit für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.
Den Projektfortschritt als Drohnenvideo finden Sie hier.
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