PVA_Prio_retuschiert_quer-2100x1250

Solar wird regelbar

Energieerzeugung
Mal Vollgas, mal Flaute: Photovoltaik kann die Einspeisung von Strom ins Netz innert weniger Augenblicke stark verändern. Darum testet die Swissgrid AG mit Unterstützung des EWO und anderer Partnerunternehmen in einem Pilotprojekt das schnelle Drosseln von Solaranlagen.
17. März 2026
Text Celest Blank // Fotos EWO
17/03/2026 // 9 Minuten Lesezeit

Zieht sich ein Schatten über ein Solardach, verschiebt sich im Stromnetz etwas: Die Einspeisung von Solarstrom sinkt innerhalb weniger Augenblicke. Kurz darauf reisst der Himmel wieder auf – und damit schiesst die Produktion erneut in die Höhe.

Wenn viele Solaranlagen gleichzeitig reagieren, wird aus dem Wetter ein energiewirtschaftliches Ungleichgewicht, was auch zu Netzproblemen führen kann. Einen neuen Ansatz, solche Sprünge abzufedern, testet die Swissgrid AG aktuell im Pilotprojekt «PV4Balancing».

Drosseln, wenn nötig

Die Stabilisierung der Stromversorgung ist eine wichtige Aufgabe. Sie funktioniert wie eine Waage: Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Strom darf vorhanden sein. Die Balance muss zu jeder Zeit stimmen.

Bisher funktionierte der Ausgleich von Schwankungen durch regelbare Kraftwerke – etwa Wasserkraft –, die bei Bedarf die Stromproduktion hoch- oder runterfahren können. «Solarstrom hingegen folgt dem Wetter», sagt Lukas von Moos, Leiter Geschäftsfeld Energie beim EWO. Wenn die Wetterprognose einen bewölkten Tag vorhersagt, es dann aber deutlich sonniger wird, produzieren viele Anlagen plötzlich mehr Strom als erwartet. «Das kann das System aus dem Gleichgewicht bringen.» Genau hier setzt «PV4Balancing» an: Im Pilotprojekt testet die Swissgrid AG, ob Solaranlagen das Gleichgewicht stabilisieren können, indem bei einem Stromüberschuss ihre Produktion eingestellt, sprich abgeregelt, wird. «Mit der Abregelung der PV-Anlagen wird das Problem genau da gelöst, wo es seinen Ursprung hat», erläutert von Moos.

«Mit der Abregelung der PV-Anlagen wird das Problem genau da gelöst, wo es seinen Ursprung hat.»
Lukas von Moos, Leiter Geschäftsfeld Energie

Im «virtuellen Kraftwerk» vereint

Um die Menge an Strom, die im Bedarfsfall abgeregelt werden muss, zu stemmen, setzt das Pilotprojekt auf das sogenannte Pooling. Dabei bündelt ein Pooler mehrere Anlagen zu einem «virtuellen Kraftwerk». In Obwalden übernimmt das EWO diese Rolle.

In Zusammenarbeit mit 14 Betreibenden grosser Solaranlagen bildet es ein virtuelles Kraftwerk. Einzelne Solaranlagen sind oft zu klein, um direkt am Regelleistungsmarkt teilzunehmen», erklärt von Moos. «Durch das Pooling erreichen wir die nötige Mindestkapazität, um überhaupt Regelenergie anbieten zu können.»

Damit die Swissgrid AG im Bedarfsfall entscheiden kann, ob der Strom abgeregelt werden muss, erhält sie von den Poolern laufend Informationen. Täglich analysiert das Team der Energiewirtschaft die Lage und übermittelt Prognosen sowie Produktionsdaten an die Swissgrid AG. Diese beurteilt die Angaben zusammen mit Daten weiterer Marktteilnehmenden und legt fest, ob und wie stark sie eingreifen muss.

Agieren, wenn das Signal kommt

Für die Betreibenden selbst, die ihre Solaranlagen für die Abregelung zur Verfügung stellen, gibt die Teilnahme am Projekt keine zusätzliche Arbeit. «Wir vom EWO überwachen die Anlagen und tracken die Livedaten der Produktion», erklärt Paul Krummenacher, der als Grosskundenbetreuer die Sarna Plastec AG beim Pilot begleitet. Gesteuert wird die Drosselung zentral über das EWO, das vorgängig eine zusätzliche Steuerfunktion in die Anlagen einbaut.

Findet eine Abregelung statt, erfasst das EWO bei den betroffenen Produzentinnen und Produzenten gleichzeitig, wie viel Energie in dieser Zeitspanne produziert worden wäre. Paul Krummenacher: «Dieser Ausfall wird entschädigt. Somit entsteht kein finanzieller Nachteil für die Betreibenden.» Auch die Stromversorgung ist stets gewährleistet. Wird die Produktion von Solarstrom reduziert, beziehen die Produzentinnen und Produzenten regulären Strom. Dies sei vor allem an Werktagen wichtig. «Die Betriebe werden zu keiner Zeit von unserer Arbeit tangiert.»

Spannende Testphase steht an

Das Pilotprojekt der Swissgrid AG läuft noch bis Mitte des Jahres. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv. Die spannende Testzeit stehe aber erst noch an. «Der Frühling mit wechselhaftem Wetter und der Sommer mit spontanen Gewittern», blickt Lukas von Moos gespannt auf die Restdauer.

Für das EWO als Energieversorger ist es wichtig, durch das Mitwirken an solchen Projekten aktiv neue Lösungsansätze zu fördern. «Auch wir hatten bereits eine ähnliche Idee überlegt», so Lukas von Moos weiter. «Durch die Zusammenarbeit mit der Swissgrid AG und anderen Dienstleistern können wir wertvolles Know-how und Erfahrungen sammeln, die uns das Stromnetz der Zukunft mit neuen Impulsen und Lösungen mitgestalten lassen.»


Patrick Mäder von der Sarna Plastec AG (links) und Paul Krummenacher vom EWO sind regelmässig im Austausch.

«Zusammenarbeit bringt nur Vorteile»

Patrick Mäder, die Sarna Plastec AG ist Teil des EWO Pools. Warum?

Das EWO ist auf uns zugekommen, weil unsere Anlage mit einer Grösse von 1300 m2 und rund 270 000 kWh pro Jahr gut ins Projekt passt. Und da wir seit Jahren gut mit dem EWO zusammenarbeiten, helfen wir gerne mit. Im Austausch wurde schnell klar: Die Zusammenarbeit bringt für beide Seiten nur Vorteile. Das EWO kann Lastschwankungen optimieren und für uns entsteht weder ein Mehraufwand noch ein finanzieller Nachteil.

Merken Sie die Abregelung überhaupt?

Nein, das läuft bei uns im Hintergrund. Wenn abgeregelt wird, beziehen wir in dieser Zeit einfach mehr Strom aus dem Netz, der uns entschädigt wird. Im Alltag haben wir das bisher nicht gespürt. Negative Auswirkungen auf den Betrieb gab es keine.

Ist es nicht widersprüchlich, Solaranlagen zu bauen, die dann bei Überschuss abgeregelt werden müssen?

Ich verstehe die Kritik. Aber es gibt Situationen, in denen zu viel Strom im Netz ist. Solaranlagen haben viele Vorteile, bringen aber auch Herausforderungen. Ich sehe das positiv: Früher war Solarenergie kein Thema, heute ist sie da. Und nun braucht es Lösungen. Wir tragen einen kleinen Teil dazu bei, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wir sind gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Patrick Mäder ist Geschäftsführer bei der Sarna Plastec AG.

Weitere EWO Pur Beiträge

2012-Lungerersee-Fruehling_k-500x380

Frische Routinen statt Verzicht

Energieberatung Der Frühling lädt zum Neustart ein: Während die Natur für ein neues Jahr aufblüht, können auch wir mit kleinen Ritualen nachhaltige Gewohnheiten im Alltag kultivieren. Und ganz nebenbei Strom und Geld sparen.

18. März 2026
Mehr erfahren
DJI_20251209144330_0021_D_komprimiert-500x380

Unter die Erde statt über den Dächern

Versorgungssicherheit Das EWO bereitet in Alpnach die Teilverkabelung der 50-Kilovolt-Freileitung vor. Der Baustart wird derzeit für Sommer 2028 erwartet.

18. März 2026
Mehr erfahren
EWO08290_header-Blogbeitrag-500x380

Laden leicht gemacht

Elektromobilität Ob zu Hause oder im Geschäft: Simon Lustenberger lädt sein E-Auto genau dort, wo er es parkiert. Die smarte Ladelösung passt perfekt in seinen Alltag. «Und überzeugt mich durch ihre Einfachheit», so der EWO Kunde.

22. September 2025
Mehr erfahren

Sie haben energiereiche Fragen? Unser EnergieKompass hilft Ihnen gerne weiter.