Die Gefahrentafel an den betroffenen Gewässern weisst auf schnell auftretendes Schwallwasser hin.

Schwallwasser in der Melchaa: Warum der Wasserpegel plötzlich ansteigen kann

Energieerzeugung
Ein ruhiger Bach kann sich innerhalb weniger Minuten in einen reissenden Fluss verwandeln. Schwallwasser an der Kleinen und Grossen Melchaa lässt den Wasserstand rasch ansteigen und birgt erhebliche Gefahren für Spaziergänger, Fischer und Badegäste. Wer die Warnzeichen kennt und den Wasserpegel beobachtet, kann sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.
26. Mai 2020
Text Andrea Hofstetter
26/05/2020 // 5 Minuten Lesezeit

Schwallwasser: Wenn der Wasserstand innert Minuten ansteigt

Im Frühling säumt saftiges Grün den Flusslauf, und mehrere Kies- und Sandbetten laden zum Verweilen ein: Kein Wunder, dass Ausflügler die Umgebung rund um die Kleine und Grosse Melchaa gerne zum Grillieren, Baden oder Fischen nutzen. Doch der gemächlich fliessende Bach kann sich in kurzer Zeit in einen heftig tosenden Fluss verwandeln – das sogenannte Schwallwasser. Dann findet ein eben noch gemütlicher Grillplausch auf dem Kiesbett ein plötzliches Ende.

Vorsicht bei Aufenhalt am Gewässer

Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Gefahreneinschätzung vornehmen
  • Gefahrentafeln lesen
  • Wasserstand beobachten
  • Kinder stetig unter Aufsicht halten
  • Wenn Wasserpegel kontinuierlich steigt, Gefahrenzone sofort verlassen

Warum die Wasserfassungen der Melchaa regelmässig gespült werden

Die Kleine und Grosse Melchaa sind Wildbäche und führen neben Wasser auch Kies und Geschiebe mit. Dieses lagert sich im Staubecken ab. Um den Betrieb der Wasserkraftanlagen aufrechtzuerhalten, müssen die Wasserfassungen seit ihrer Erstellung um 1920 bei Schneeschmelze, heftigem Regen, Unwettern oder im Zuge von Wartungsarbeiten gespült werden. Gerhard Süess, Leiter Instandhaltung Produktion beim EWO, erklärt: «Seit 2014 messen Sensoren den Kiesanteil im Bereich der Wasserfassung. In der Regel löst die Steuerung die Spülung in der Nacht automatisch aus.» Es komme aber auch vor, dass die Wasserfassungen bei Wartungsarbeiten tagsüber gespült werden müssen. Was viele nicht wissen: Grundsätzlich kann in jedem Gewässer, ob von der Wasserkraft beeinflusst oder nicht, der Wasserpegel plötzlich steigen. Etwa durch ein Gewitter in höheren Lagen.

Die Gefahrentafel an den betroffenen Gewässern weisst auf schnell auftretendes Schwallwasser hin.

Die Beschilderung an den betroffenen Gewässern weisst auf die Gefahr hin.

Wann gilt es, die Gefahrenzone zu verlassen?

Um die Bevölkerung auf die Gefahr hinzuweisen, sind entlang der Grossen und Kleinen Melchaa Warnschilder aufgestellt. «Wir versuchen zwar, die Spülungen möglichst schonend durchzuführen und jeweils auf ein Minimum zu beschränken, aber grundsätzlich können sie jederzeit erfolgen», sagt Süess. Vor einem Aufenthalt bei einem Gewässer gilt es, eine Gefahrenschätzung vorzunehmen. Das EWO empfiehlt daher, an den Flussbetten besonders achtsam zu sein. «Wenn der Wasserpegel kontinuierlich steigt, ist die Gefahrenzone so rasch wie möglich zu verlassen», appelliert Süess. Denn das Schwallwasser enthalte auch Geröll und Holz. «Besonders Kinder sollten sich nicht unbeaufsichtigt am Flusslauf aufhalten.»

Welche Gewässerabschnitte sind besonders gefährlich?

Die Abflussgewässer unserer Kraftwerke sind aufgrund des Kraftwerkbetriebs mehrmals täglich starken sich schnell verändernden Pegelschwankungen ausgesetzt. Insbesondere in den Gewässern zwischen dem Kraftwerk Hugschwendi bis zur Wasserfassung Grosse Melchaa und vom Kraftwerk Unteraa bis zum Sarnersee setzen sich Personen einem grossen Risiko aus. Wir raten deshalb vom Betreten dieser Gewässerabschnitte ab.

Artikel fachlich geprüft von
Gerhard Süess, Leiter Instandhaltung Produktion Sarneraatal,
am 26. Mai 2020

Merkblatt zum Schwallwasser downloaden

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